Das zeitliche Umfeld
Die dritte Stadtbefestigung,
zu der der Huwilerturm gehört, wurde zwar schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts
begonnen, aber erst zur Reformationszeit vollendet. Der Wunsch nach einer neuen,
zeitgemässen Befestigungsanlage und die allmähliche Bevölkerungszunahme
scheinen die Hauptgründe für das verhältnismässig grosszügige Bauvorhaben
gewesen zu sein.
Der äussere Mauerring
Sechs Rundtürme, vier Tore
und ein Mauerdurchlass bildeten den neuen Mauerring. Die Gesamtlänge betrug 850
Meter und vergrösserte die Stadt von 0,4 auf 2,8 Hektaren. Neben den bereits
bestehenden Bauten wie der St.-Oswalds-Kirche, der Burg, dem Wohn- und
Gewerbequartier Dorf usw. gab es auf dem neuen Stadtgebiet noch während langer
Zeit grässere unüberbaute Flächen.
Der Huwilerturm
Das Baujahr des Huwilerturms
ist urkundlich nicht genau zu fassen, soll aber nach Linus Birchler in die Jahre
1524/25 gefallen sein. Andere Quellen geben als Baujahr 1519 an und nennen als
Erbauer einen Baumeister Huwiler. Der heutige Name des Turms stammt aber nicht
von diesem Huwiler, sondern von einem späteren Eigentümer gleichen Namens, der
1697 in den Besitz des Turms gelangte. Der Name „Huwilerturm“ setzte sich
aber nur allmählich durch, denn noch auf dem Landtwingschen Stadtplan von 1770
findet sich der Name „Hoof Thurm“ (nach der Liegenschaft „Hof im Dorf“
oder „Hof am Burgbach“ - im Unterschied zum „Zurlaubenhof“ oder nur
„Hof“).
Siehe zu diesem Abschnitt
auch das Zuger Neujahrsblatt 1983.
Der innere Durchmesser des
Turmes beträgt 6,30 m, die Mauerdicke verjüngt sich von unten nach oben von
2,70 m auf 2 m. Den Abschluss des Turmes bildet ein gebrochenes Kegeldach. Die
Stadtmauer und der Wehrgang sind beidseits des Turmes noch vorhanden. Auf der
Stadtseite befinden sich unter einer spitzbogigen Türe 5 Konsolen für den hölzernen
Wehrgang. An der Aussenseite des Turmes befand sich ursprünglich kein Zugang.
1826 wurden bei einer Renovation auf dieser Seite ein Tor und zwei grosse türähnliche
Fenster ausgebrochen.
Der Zugang zum Huwilerturm
erfolgte ursprünglich über den Wehrgang der Stadtmauer auf der Stadtseite im
ersten Stock. Erst 1826 bekam der Turm einen Erdgeschosszugang - von der
Aussenseite her - und zwei Fenster.
Eine friedliche
Vergangenheit
Die neue Stadtbefestigung
musste ihre Bewährungsprobe glücklicherweise nie bestehen. Keine Feinde gingen
vor der Stadt in Stellung, keine Geschütze richteten ihr Feuer gegen Türme und
Mauern. Die für militärische Zwecke errichteten Bauten wie der Huwilerturm
konnten anderweitig nur mit Einschränkung genutzt werden, so z.B. als
Pulvermagazin, als Materialdepot, als Theaterkulisse oder auch nur als Gerümpelkammer.
Die einst stattlichen Türme verkamen mehr und mehr und waren noch vor wenigen
Jahrzehnten in einem desolaten Zustand.
Sein heutiges Umfeld
Besonders schön ist die
erhaltene Umgebung: auf der Mauerinnenseite die Liegenschaft „Hof“ (das
heutige Kunsthaus) und einige Bürgerhäuser an der Dorf- und an der
Bohlstrasse; aussen die ehemalige Huwilermatte, heute der Daheimpark; südlich
und nördlich des Turms Teile der alten Stadtmauer. Das Ganze bildet ein fast
noch intaktes Original und eine einzigartige Idylle.
1870 wurde der Turm an einen
Privatmann versteigert, der aus heutiger Sicht glücklicherweise keinen Gebrauch
von dem ihm zustehenden Abbruchsrecht machte. Seit 1974 vermietet die Stadt den
Huwilerturm dem Unteroffiziersverein Zug (UOV), der ihn fachgerecht und
liebevoll restauriert hat.